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Die Borten, die ich webte…

Inzwischen bin ich tatsächlich mehr als Färberin unterwegs, denn als Weberin. Doch bis vor nicht all zu langer Zeit hatte ich noch auf jedem Mittelalterlager meinen Brettchenwebrahmen dabei und habe fleißig gewebt. Die meisten meiner Borten sind tatsächlich in die Hände meiner Mitlagerer gewandert – selbst hatte ich lange Zeit keine. Aber das ist ja bekanntlich häufig so: Der Schreiner hat selbst die kaputte Tür, die Friseuse den rausgewachsenen Pony und beim Elektriker geht die Türklingel nicht. Als Handwerker kommt man selbst meistens zu kurz, glaube ich.

Wie dem auch sei, heute wollte ich Euch mal die Borten zeigen, die ich bisher so gewebt habe. Ursprünglich hatte ich vor, Euch die Borten im Detail zu zeigen, mit Webbriefen, etc. und vielen Fotos – allerdings würde der Beitrag dann vermutlich jeden Rahmen sprengen…
Deshalb habe ich beschlossen, Euch die einzelnen Borten einfach in Einzelbeiträgen jeweils seperat näher vorzustellen und heute nur eine grobe Übersicht zu geben, was bisher schon alles auf meinen Webrahmen ein- und wieder ausgezogen ist.

Dafür möchte ich Euch zu allererst meine verschiedenen Webrahmen vorstellen:

Hier seht Ihr mich bei der Arbeit auf einem unserer privaten Lager an meinem ersten und größten Webrahmen. Er fasst bis zu 7 Meter Bortenlänge und ist extrem stabil und robust. Leider macht ihn das auch extrem schwer und sperrig, weshalb er inzwischen nur noch selten auf Lager mitkommt. Allerdings webe ich immer noch am liebsten an diesem Webrahmen, weshalb sämtliche Borten, für die ich auch zuhause weben muss um sie fertig zu bekommen, auf diesem Webrahmen einziehen dürfen.

Hier seht Ihr mich beim Aufziehen einer Borte auf besagten Webrahmen. Jeder, der schon mal Brettchen gewebt hat, weiß – das Schlimmste, mit Abstand, ist das Aufziehen. Beinahe jeder Faden wird einzeln durch den Rahmen gefädelt. Dabei muss man aufpassen, dass man auch durch das richtige der vier Löcher im Brettchen fädelt, und als würde das nicht schon reichen muss man auch noch peinlichst darauf achten, ob man von links oder von rechts durchfädeln muss. Ich hasse es, neu aufzuziehen und bin jedes Mal wieder heilfroh, wenn alle Fäden da sind, wo sie hingehören. Wie Ihr seht, lasse ich den Webrahmen zum Aufziehen geschlossen, was bedeutet die Hälfte der vier Stunden, die ich im Schnitt zum Aufziehen brauche, verbringe ich mit Kopf oder Arm irgendwo im Webrahmen versenkt. Zwar kann man die vordere Holzplatte des Webrahmen auch abnehmen, doch dann verziehen sich die Holme ganz gerne mal, was für eine ungleiche Spannung der Fäden bei geschlossenem Rahmen sorgt und so das Weben beinahe unmöglich macht. Mit anderen Worten – dann war die ganze Arbeit umsonst. Also lieber im Webrahmen abtauchen…

Hier seht Ihr mein gutes Stück nun in voller Größe. Links der große Webrahmen, den Ihr eben schon in den Bildern gesehen habt. Rechts seht Ihr den kleineren Bruder. Er fasst nur etwa 3-4 Meter Bortenlänge, ist dafür aber ein echtes Fliegengewicht. Leider ist er dadurch auch nicht so stabil und im Handling weniger leichtgängig, weshalb ich auf ihm in der Regel nur ganz einfache, dünne Einzugsborten webe, die schnell fertiggestellt sind. Momentan ist da allerdings das Moscevaja Balka Band drauf – ein nicht ganz unkompliziertes Köpermuster. Und die ist da auch schon sehhhhr lange drauf… weil komplizierte Muster auf diesem Webrahmen leider wenig Spaß zum Weben machen…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch bei dem kleinen Webrahmen lässt sich die rechte Seite vollständig abnehmen, um das Aufziehen zu erleichtern und die Borte bei zunehmender Spannung umzusetzen. Doch auch hier gilt: Lieber mit der rechten Seite drauf aufziehen, damit sich nichts verzieht.

Und dann gibt es noch diesen kleinen Kerl – ein ganz simpler Webrahmen, bei dem die Bortenlänge durch die länge der Kettfäden an sich bestimmt wird. Heißt, man misst die Länge am Faden ab, schneidet ihn entsprechend zu und dann wickelt dann alle Fäden gemeinsam um das eingespannten Kantholz am einen Ende. Der Bortenbeginn wird am gegenüberliegenden Kantholz festgebunden, nachdem die Brettchen mit eingebunden sind. Nun kann man drauf los weben und je weiter das Werkstück wächst immer mehr vom einen Kantholz auf das andere wickeln. Auf diesem Webrahmen ist schon seit einer gefühlten Ewigkeit mein erster Versuch einer Broschurborte eingezogen. Allerdings ist Broschur mit die komplizierteste, am meisten Konzentration erfordernde, langwierigste und am langsamsten wachsende Art des Brettchenwebens. Und so bin ich leider immer noch nicht viel weiter gekommen, als auf diesem letzten Bild zu sehen…

Wie gesagt – mittlerweile bin ich eher bei der Pflanzenfärberei anzutreffen als beim Weben. Wenn ich allerdings meine angefangenen Borten hier so sehe, bekomme direkt Lust, mal wieder eine Borte fertig zu weben.

Jetzt aber endlich zu den Borten, die ich in der Vergangenheit bereits gewebt habe:

von links oben nach rechts unten:

  1. Meine erste Borte: ein Einzugsmuster mit 4/4 Rapport von flinkhand.de. Leider sieht man auf dem Bild überwiegend die Rückseite…
  2. Eine Widderhorn-Borte – Auftragsarbeit für unseren Bronzegießer.
  3. Snartemo V – eine Borte nach Fundlage im Flottiermuster. Gesamtlänge mit Flechtenden war knapp 3 Meter, Breite 4 cm.
  4. Ein ganz einfaches und sehr schmales Einzugsmuster nach eigenem Entwurf.
  5. Eine Borte angelegt an Birka nach einem Musterbrief, den ich auf pinterest gefunden habe. Leider habe ich keine Ahnung, wer ihn entworfen hat – wer diesbezüglich Infos hat: meldet Euch gerne, dann kann ich hier Ehre zuteil werden lassen, wem Ehre gebührt.
  6. Noch ein Einzugsmuster nach einer pinterest-Vorlage. Selbes Spiel: Wenn jemand Infos zum Urheber hat, immer gerne melden.
  7. Moscevaja Balka in Köper nach Fundlage. Nach dem ich viele Musterbriefe auf pinterest versucht habe, habe ich letztlich einen eigenen erstellt mit GTT.
  8. Broschurborte nach Birka-Fundlage aus Seide und Goldgarn – kein Goldlahn, weil mir der für den Erstversuch einfach zu teuer war…
  9. Einzugsmuster von flinkhand.de. Diese Borte ist inzwischen zum Träger meiner Haithabu-Tasche verarbeitet worden.

Alle diese Borten sind mit Leinengarn gewebt. Ich mag Leinengarn lieber als Wolle, da es sehr reißfest ist – ich webe mit sehr viel Spannung, und da würde sich Wolle bei mir immer sehr schnell aufdröseln, vor allem auch, weil ich mit Holzbrettchen arbeite, die im Lochinneren etwas scharfkantiger und rauer sind, als die meisten Kunststoff- oder Hornbrettchen. Abgesehen davon gibt Leinen wie ich finde eine schönere und gleichmäßigere Struktur und bringt gleichzeitig einen schönen Glanz mit, der fast ein bisschen an Seide erinnert.

Soviel für heute – in naher Zukunft habe ich hoffentlich mal Zeit und Muße, euch zumindest die ein oder andere meiner bisher gewebten Borten etwas näher vorzustellen. Bis dahin!

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