Deutschland,  Europa,  Reisen

Norderney

Stelle fest, 2019 war ein Jahr mit wenig Posts… Was vermutlich auch daran liegt, dass 2019 ein Jahr mit wenig Zeit war.

Nichts desto trotz möchte ich Euch meine Solo-Reise nach Norderney nicht vorenthalten.
Es war meine erste Reise ohne Mitreisende. Ganz allein. Eine Vorstellung, die sowohl aufregend als auch beängstigend war. Würde ich allein wirklich klar kommen? Würde es nicht vielleicht langweilig werden, so ganz ohne Reisepartner? Würde ich mich langweilen? Was wenn was schief geht? Könnte ich das allein dann auch managen?

Prinzipiell bin ich ein sehr selbständiger Mensch. Ich hänge meine Regale selbst auf, mache meine Steuererklärung allein und brauche auch sonst selten Hilfe von anderen. Und in der Regel habe ich auch kein Problem mit dem Alleinsein – ich komme gut mit mir selbst klar. Aber würde das auch auf Reisen so sein?

Ich beschloss, einen Kompromiss zu machen: Am Samstag, den 02. März fuhr ich los Richtung Hamburg. Dort wohnen Freunde von mir, die ich nur etwa zwei-dreimal pro Jahr sehe, und die wollte ich besuchen. Wenn ich schon von Südbayern bis an die Nordseeküste fahre, dachte ich mir, dann auch gleich mit Pit-Stop in Hamburg. Und sollte wirklich irgendetwas total schief laufen, wäre Hamburg als Notanker auch nicht weit weg. Also ab ins Auto und losgedüst.

Die Fahrt war erstaunlich komplikationslos – kaum Stau, das Navi lotste mich zuverlässig und die Müdigkeit, die mich auf langen Strecken allein schon mal überfällt, ließ auf sich warten. Was vermutlich der Aufregung ob meines kleinen Abenteuers geschuldet war.

Samstag Abend erreichte ich schließlich Hamburg und wurde überschwänglich empfangen. Ein ruhiger Abend mit Freunden, gutem Whisky und einer Flasche Wein, kurzweilige Gespräche und eine wohlige Atmosphäre. Ein guter Start!

Auf Norderney hatte ich ab Montag, 04. März, für drei Nächte eine kleine Ferienwohnung direkt über einer Bäckerei gebucht. Nichts großes, nichts besonderes, eben ein Ort zum Schlafen. Ich hatte für 13.00 Uhr eine Fähre von Norddeich aus gebucht und in Norddeich einen Parkplatz für die Dauer meines Aufenthalts.

Und so ging es dann Montag Morgen von Hamburg aus weiter Richtung Norddeich.
Die Fahrt war hier ein wenig aufregender, zum einen, weil mir Stau hier nicht erspart blieb, ich ja aber den Abfahrtstermin der Fähre im Nacken hatte. Zum anderen, weil ich aufgrund dieses Termindrucks doch tatsächlich geblitzt wurde…

Nichts desto trotz, ich kam rechtzeitig in Norddeich an und die Überfahrt mit der Fähre war zwar aufgrund starken Seegangs etwas schaukelig, aber ansonsten ziemlich unaufgeregt. Etwa eine Stunde später kam auf Norderney an, setzte mich in den Bus und der freundliche Fahrer gab mir Bescheid, wo ich aussteigen musste. Trotz strömendem Regen erreichte ich die Bäckerei halbwegs trocken und stand vor dem ersten Problem: Auf mein Klingeln hin öffnete mir ein älterer Herr, der mich aber dann informierte, dass er hier zwar wohne, für die Ferienwohnungen aber nicht zuständig sei. Also rief ich kurzerhand beim Anbieter besagter Wohnung an, wo man etwas erstaunt war, dass ich schon da sei. Sie hatten wohl erwartet, ich würde anrufen, sobald ich in Norddeich die Fähre bestieg. Leider hatte mir diese Erwartungen niemand mitgeteilt, also war freilich auch niemand gekommen, um mir den Schlüssel zu übergeben. Nun ist Norderney aber relativ überschaubar, und so war die Dame mit dem Fahrrad dann auch zehn Minuten später da, um mir die Wohnung aufzuschließen und alles zu zeigen. Dach über dem Kopf für die nächsten vier Tage – check!

Ich hab mich also erstmal häuslich eingerichtet, das Schrankbett ausgeklappt und meinen Kram ins Bad gestellt, und stand dann vor der Qual der Wahl – was tun mit dem angebrochenen Nachmittag? Und das ist das Schöne, wenn man allein reist: Niemand redet einem rein, Absprachen und Kompromisse sind überflüssig. Und so hab ich spontan eine Kinokarte für Happe Kerkelings „Der Junge muss an die frische Luft“ im Kurtheater reserviert und bin auf Erkundungstour.

Erstmal bin ich auf den Kurplatz, das unausgesprochene Zentrum von Norderney, und hab mich von da auf die Suche nach einem gemütlichen Café gemacht. Wir erinnern uns – strömender Regen. Eine Weile bin ich auf der Suche nach dem Kurtheater – ich wollte zur Vorstellung ja nicht zu spät kommen – herumgeirrt und habe dann, durchnässt und ausgefroren, beschlossen in ein recht schnuckelig aussehendes kleines Café zu gehen und dort einfach nach dem Weg zu fragen. Bei Betreten des Etablisements wurde mir dann klar – dieses Café – das „Atelier Art & Bar“ – ist bereits das Foyer des Kurtheaters! Glücklicher Zufall! Also gleich eine Latte Macchiato bestellt und meine Lektüre aus der Tasche gekramt. Lesen und auf den Einlass zum Kino warten. Perfekt!

Nach dem Film ging ich dann noch tiefenentspannt in eine nahegelegene kleine Bar, das „Café Extrablatt“, in der, wie ich zu meiner Freude feststellen durfte, diverse großartige Gin-Sorten ausgeschenkt werden. Danach ging es dann leicht beschwipst zurück in meine kleine Wohnung und nach einem anstrengenden Tag ab ins Bett.

Am nächsten Morgen hieß es erstmal Frühstück organisieren. Hatte ich ursprünglich noch den Plan gehabt, mir einfach in der Bäckerei frische Brötchen zu holen, so war das Verlangen nach frischem Kaffee morgens dann doch stärker als meine Vorsätze, und so bin ich los in Richtung „Milchbar“. Mit viel Glück und weil das Wetter nach wie vor grausig grau in grau war, habe ich sogar einen Platz am Fenster ergattert und es mir mit Pancakes und Milchkaffee gemütlich gemacht.

Während meinem zweiten Kaffee klarte es dann aber langsam auf, und so revidierte ich meinen ursprünglichen Plan ins Wattenmuseum zu gehen und beschloss, die Gunst der Stunde zu nutzen und einen Spaziergang zum Leuchtturm der Insel zu machen.

Nach etwa zwei Stunden wurde mir klar, dass dieser Leuchtturm uneeeendlich weit weg ist, weshalb ich mich spontan entschloss, dem Schild Richtung „Weiße Düne“ zu folgen. Ich hatte keine Ahnung, was die Weiße Düne ist, aber egal. Da stand „800m“, und das war definitiv näher als der Leuchtturm. Also links abgebogen und weiter. Die „Weiße Düne“ stellte sich als völlig überfülltes Strandcafé heraus. Allerdings am Nordstrand, und da der zwangsläufig wieder zurück zur Strandpromenade führte und gerade Ebbe war, machte ich aus meinem geplanten Dünenspaziergang kurzerhand einen Strandspaziergang. Nach insgesamt vier Stunden war ich schließlich mit schmerzenden Füßen und völlig durchgeschwitzt wieder zurück in der Wohnung und beschloss, dass jetzt der ideale Zeitpunkt für einen Besuch der vielgerühmten Therme wäre.

Nach einer Runde Schwimmen und Saunieren machte ich mich frisch geduscht schließlich auf die Suche nach Abendessen und landete in der „Giftbude“. Mein Fazit: Meeresfrüchte jeder Art schmecken direkt am Strand eben doch am besten!

Tag 2 begrüßte mich mit Wind. Jeder Menge davon. Ein guter Tag für die „Wattwelten“, die ich gestern aufgeschoben hatte, dachte ich und marschierte los. Auf Norderney gibt es tatsächlich auch eine recht zuverlässige Buslinie, aber da die Insel nicht sonderlich groß ist, kann man das meiste auch per pedes erreichen und sieht so auch mehr von der Insel, wie ich finde. Also losgetrabt. Allerdings ging es zunächst in die entgegengesetzte Richtung, da ich erstmal frühstücken musste. Ohne Kaffee keine Chance!

Nach einem ausgiebigen Frühstück im „Surfcafé“, das auch gleich noch als Mittagessen herhalten musste, ging es dann los Richtung Fähranleger und „Wattwelten“. Ein sehr interessantes kleines Museum wie ich finde, interaktiv gestaltet und um diese Jahreszeit beinahe leergefegt. Zeitweise hatte ich das Gefühl, ich hätte das Museum ganz für mich allein.

Auf dem Rückweg habe ich dann noch das ein oder andere angeguckt – zum Beispiel das alte Fischerhaus und das Bademuseum – und war am Spätnachmittag zurück auf dem Kurplatz. Und da man ja am Kurhaus auf Norderney nicht vorbeikommt, habe ich mir dort einen Kaffee gegönnt.

Danach ging es zurück in die Wohnung, aufwärmen und schon mal das Gros einpacken. Schließlich war mein kleiner Norderney-Solo-Urlaub am nächsten Morgen um 9.00 ja schon wieder vorbei.

Danach bummelte ich noch ein wenig durch die Norderneyer Innenstadt und machte mich schließlich auf zur Marienhöhe, um dort zu Abend zu essen. Fisch und Krabben sollten es sein, schließlich war ich ja am Meer!

Auf dem Rückweg zur Wohnung kehrte ich dann noch im Norderneyer Brauhaus ein und war sehr überrascht, dass die Norderneyer ihr Bier mit Hallertauer Hopfen brauen – Hopfen aus der Heimat sozusagen.

Und so ging es dann am nächsten Morgen mit der Fähre zurück nach Norddeich und von dort die 8 Stunden Fahrt zurück nach Südbayern.

Mein Fazit zum Thema Solo-Urlaub: Unbedingt empfehlenswert! Wenn man mit sich selbst gut allein sein kann und sich nicht fürchtet, abends allein zurück zur Unterkunft laufen zu müssen. Ich fand es furchtbar entspannt, niemand, mit dem ich mich einigen muss, machen was ich will, spontan auch mal Pläne umschmeißen und niemandem Rechenschaft schuldig sein. Der erholsamste Urlaub seit langem!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.